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FIFAWM Schein VS Sein

FIFAWM Schein VS Sein

Die TOP 10 Fakten der FIFA WM 2014 in Brasilien
1 | Für die WM wurden sieben neue High-Tech-Stadien mit über 350.000
Sitzplätzen gebaut.


2 | Die DFB-Elf schläft und trainiert in einem tropischen Luxus-Camp am
Palmenstrand.


3 | Brasilianerinnen und Brasilianer feiern die Party des Jahrhunderts.


4 | Jeden Tag werden wir mit Bildern von Traumstränden, Fußballhelden und
natürlich von Traumfußball verzaubert.


5 | Die WM bringt auch wirtschaftlichen Aufschwung für Brasilien: Große
Investitionen in die Infrastruktur wurden getätigt und viele Arbeitsplätze
wurden neu geschaffen.


6 | Vier Wochen Ausnahmezustand: Sommer, Sonne, Public Viewing!


7 | Hunderttausende Fans aus Ländern aller Kontinente sind zu Besuch und
unterstützen ihre Mannschaften im Stadion.


8 | Brasilien erwartet Einnahmen von mehreren hundert Millionen US-Dollar.
9 | Wir erleben eine FIFA-Weltmeisterschaft, die noch lange im Gedächtnis
bleiben wird!


10 | Der Staat sorgt mit der Befriedung von Armenvierteln und der verstärkten Bekämpfung von Kriminalität und Drogenhandel für mehr Sicherheit in brasilianischen Städten.


SCHEIN vs. SEIN:


1 | Nicht nur für den Stadionbau – auch für neue Hotels, Golfplätze und die Aneignung des Wohnraums durch Immobilienunternehmen wurden in ganz Brasilien hunderttausende Häuser in Armenvierteln zerstört. Nach staatlichen Angaben wurden 250.000 Menschen ihrer Arbeits- und Lebensgrundlage beraubt, vertrieben oder zwangsumgesiedelt. Die wahre Zahl liegt vermutlich
weitaus höher.

2 | Für die Errichtung des deutschen Trainingslagers im Küstenort Santo André wurde ein eigentliches Naturschutzgebiet mit einzigartigen Tier- und Pflanzenarten entwaldet. Am Ort, von dem aus ab 1500 Portugal halb Lateinamerika kolonialisierte, entstanden auf der Fläche des
entwaldeten Regenwalds großflächige Sport- und Tourismusanlagen – für vier Wochen europäischen Massentourismus.


3 | Seit zwei Jahren protestieren Menschen aller sozialen Gruppen in Brasilien gegen die bevorstehenden Großevents: Confed-Cup 2013, FIFA WM der Männer 2014 und Olympia 2016. Vor der WM ergaben die Umfragen linker und rechter Zeitungen, dass über 50% der brasilianischen Bevölkerung die Austragung der FIFA WM in Brasilien ablehnen. Tägliche Massenproteste mit
hunderttausenden Demonstrierenden in verschiedenen Städten Brasiliens wurden vor allem in den Monaten vor der WM immer wieder gewaltvoll von der brasilianischen Polizei niedergeschlagen.


4 | Die Verbreitung in den Medien von den typischen Bildern exotischer Traumstrände, modernen Fußballstadien und begeisterten Fußballfans geht einher mit der Zensur der Säuberung der Armenviertel, Entführung von Straßenkindern und Obdachlosen, der riesigen Massenproteste, der eskalierenden Polizeigewalt und der starken brasilianischen Opposition gegen die Politik der FIFA und des Staates.


5 | Die FIFA WM 2014, so teuer wie die letzten 3 FIFA WMs zusammen, haben den brasilianischen Staat 3 Milliarden Euro gekostet - nur für den Neubau von Fußballstadien nach FIFA-Richtlinien. Mit insgesamt 11,4 Milliarden Euro
Ausgaben für das sportliche Megaevent fließt damit doppelt so viel Geld in vier Wochen Fußball als in das Jahresbudget für Bildung in einem Land mit 17% Analphabetismus. Auch an der Infrastruktur und Gesundheit wird
gespart. Anstelle dessen gab es massive Investitionen in den staatlichen Unterdrückungsapparat. 6 | Unter dem Deckmantel der eigens für die FIFA-WM erlassenen „Anti-Terror-Gesetze“ können brasilianische
Demonstrie-ende als Terroristen bestraft und für 30 Jahre in Haft genommen werden.


7 | Durch die teuren Umbauten der WM-Stadien sind die traditionellen und günstigen Stehtribünen durch Sitztribünen und moderne Privatlounges ersetzt worden. Konnten 1950 noch 143.000 Menschen aller Klassen, 8,5% der
Bevölkerung Rio de Janeiros, im Stadion Maracanã die letzte FIFA-WM in Brasilien beobachten, sind es 2014 nur 78.000 Plätze. Die teuren Ticketpreise können sich nur privilegierte Brasilianerinnen und Brasilianer und Touristinnen und Touristen leisten.

8 | Die wirtschaftliche Nutzen der WM für Brasilien steht in keinem Vergleich zu den riesigen Ausgaben für langfristig unbrauchbare Stadien. Dagegen kann die FIFA durch die WM 2014 ihre Rücklagen von 1,3 Milliarden Euro um
mehrere hundert Millionen Euro Gewinn aufstocken.


9 | Vergessen wird beim Freudentaumel um Fußball, Samba und Caipirinha die Rodung von Regenwald, die Zerstörung von Naturschutzgebieten, indigenen Dörfern, dem ältesten indigenen Museum Lateinamerikas, öffentlichen
Sporteinrichtungen, Schulen und Sozialprojekten, sowie ganzen Armenvierteln und der Existenzgrundlage von
tausenden von Menschen.

10 | Mit der Bildung der Militärpolizei setzt der brasilianische Staat nun militarisierte Kräfte gegen die Proteste der Bevölkerung ein. Die Entführung von Straßenkindern und Obdachlosen ist Teil der polizeilich
umgesetzten „Säuberung“ der brasilianischen Städte. Gegen Demonstrierende wird massiv mit Tränengas und Gummigeschossen vorgegangen. Bereits 2013 forderte die gewaltvolle Unterdrückung der Anti-FIFA-Proteste den ersten Toten.